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	<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 07:32:20 +0000</pubDate>
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		<title>nasenorgasmus</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 22:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Als Bahnfahrerin will ich auch mal was zum Thema Schweinegrippe sagen. Ich sach mal so: Ich bin weder für blinden Aktionismus (Panik) noch für Fehleinschätzungen infolge von phlegmatischer Disposition. Womit ich auch schon beim Kern der Sache wäre. Denn Phlegma heißt übersetzt auch „Schleim“.
In einer Broschüre des Ministeriums für Gesundheit NRW habe ich gelesen, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Bahnfahrerin will ich auch mal was zum Thema Schweinegrippe sagen. Ich sach mal so: Ich bin weder für blinden Aktionismus (Panik) noch für Fehleinschätzungen infolge von phlegmatischer Disposition. Womit ich auch schon beim Kern der Sache wäre. Denn Phlegma heißt übersetzt auch „Schleim“.</p>
<p><span id="more-28"></span>In einer Broschüre des Ministeriums für Gesundheit NRW habe ich gelesen, dass man, um das Ansteckungsrisiko von H1N1 zu verringern, Menschenansammlungen meiden sowie einen gewissen räumlichen Abstand zu anderen Menschen einhalten sollte. Ich frage mich, wie ignorant man eigentlich sein muss, um im bevölkerungsreichsten Bundesland solche Tipps zu verteilen. Ob die, die sich das ausgedacht haben, wohl schon mal was von Bahn fahren zur Rushhour gehört haben? Aber ist auch egal. Denn mir geht es an dieser Stelle mehr um meine Mitpendler, die sich ohne pardon und im vollen Zug meinen, nasal entleeren zu müssen. Dass das Niesen an sich eine Erleichterung, ja sagen wir ruhig ein schönes Gefühl, für den sich Entleerenden mit sich bringt, kann jeder nach voll ziehen. Nur leider kann man dieses schöne Gefühl beim Niesen (anders als beim Sex) mit niemandem teilen. Denn ich zum Beispiel, die in der Nähe steht oder sitzt, zucke jedes Mal innerlich zusammen und beschwöre mein Immunsystem, dass es sich wehren soll und verspreche ab jetzt immer gut zu ihm zu sein, sofern es mich nicht im Stich lässt.</p>
<p>Mein Vorschlag ist, Niesen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken. Jetzt will ich aber auch nicht schuld daran sein, dass irgendjemandem wegen des „Supersonic-Drucks“, den so ein „Nieser“ in sich hat, die Birne platzt. Von mir aus soll es dabei bleiben, dass Niesen etwas Natürliches ist und ich will nicht alle verurteilen, die nasalen Naturgewalten ausgesetzt sind. &#8230; Wenn ich nur nicht manchmal das Gefühl hätte, dass  gerade in den letzten Wochen manchen Zeitgenossen das mit dem Niesen gar nicht so ungelegen kommt. Denn nachdem sie ihren Schleim im ganzen Waggon verteilt haben, ist am Verhalten der Rotzschleuder nicht die Spur einer entschuldigenden Geste auszumachen. Ich würde sogar so weit gehen, das Gegenteil zu behaupten: Die Aufmerksamkeitserreger triumphieren insgeheim, dass sie hier und jetzt gekommen sind, wo es jeder mitkriegen und abkriegen konnte. Für einen kurzen Augenblick verspüren sie  das Gefühl von Macht in ihrem gefühlt machtlosen Leben. Dieses Machtgefühl stelle ich mir ähnlich vor wie das, wenn man nach langem Warten vor einer öffentlichen Toilette endlich dran ist, und man weiß, dass die Schlange hinter der Tür immer noch ziemlich lang ist. In so einer Situation kann man sich beeilen oder besonders langsam machen, je nach dem wie man so veranlagt ist.</p>
<p>Für Machtgefühle besonders empfängliche Naturen verwechseln beim Ausstieg aus dem Zug die ausgefahrenen Trittstufen auch mal mit einer Showtreppe. Zugegeben, die Ähnlichkeit ist verblüffend. In beiden Fällen tritt man vor Publikum und in beiden Fällen wollen alle etwas von einem (beim Bahnfahren, dass man so schnell wie möglich verschwindet). Diesen privilegierten Auftritt kosten bestimmte Fahrgast-Typen gerne aus. Typ “Dorfsheriff” blökt den draußen Wartenden, noch bevor sich die Tür ganz geöffnet hat, seine ersten Verhaltensanweisungen entgegen à la “Zuerst aussteigen, dann einsteigen!”. Typ “Tickende Zeitbombe” lauert auf ein Opfer, das er anrempeln und anpöbeln kann, um der Welt einen klitzekleinen Eindruck davon zu geben, wie scheiße er sie (und sich) findet.</p>
<p>Ich glaube manchmal, dass ich in zwei Welten lebe. Die eine Welt kocht stetig alles runter: Wirtschafts-Auslaufmodelle, Viren-Mutationen, Erderwärmung. Die andere Welt probt Panik auf der Titanic, wenn es beim Bäcker ein paar Sekunden länger dauert. Von mir aus soll jeder selbst entscheiden, was wichtig ist und was nicht, nur leider sitze ich mit im Boot oder Zug. Gesundheit!</p>
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		<title>was übrig bleibt</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 15:13:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[hornby]]></category>

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		<description><![CDATA[Der neue Roman von Nick Hornby „Juliet, Naked“ handelt von verlorener Lebenszeit aufgrund von Trägheit, Feigheit sowie eines Mangels an logischem Denkvermögen. Die Geschichte um den ehemaligen Rockstar Tucker Crowe endet mit der Erkenntnis, dass manche Menschen am Status Quo kleben wie die Fliegen an der Sch&#8230;

Fans hat es schon immer gegeben, aber das Internet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der neue Roman von Nick Hornby „Juliet, Naked“ handelt von verlorener Lebenszeit aufgrund von Trägheit, Feigheit sowie eines Mangels an logischem Denkvermögen. Die Geschichte um den ehemaligen Rockstar Tucker Crowe endet mit der Erkenntnis, dass manche Menschen am Status Quo kleben wie die Fliegen an der Sch&#8230;</p>
<p><span id="more-27"></span></p>
<p>Fans hat es schon immer gegeben, aber das Internet macht sie noch schlimmer. Denn es vergisst nichts und niemanden. Auch nicht Tucker Crowe, der sich mit Mitte Dreißig selbst in den Ruhestand schickte. Seitdem hat der Singer-Songwriter nichts mehr zustande gebracht, außer fünf Kinder zu zeugen, Beziehungen in den Sand zu setzen und seine innere Leere mit Alkohol zu betäuben. Aber ein harter Kern von Fans hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, auf seinen verwehten Spuren zu wandeln und die alten Songs zu inhalieren, um sie bis zur Unkenntlichkeit zu zerpflücken.</p>
<p>Als ein anerkannter „Crowologe“ gilt Duncan, der mit seiner Freundin Annie in dem trostlosen Küstenort Gooleness zu weit weg von London lebt. 22 Jahre nach Erscheinen von Tuckers einzigem und letzten Erfolgsalbum „Juliet“ bringt die Plattenfirma unveröffentlichte Songs heraus und nennt das Album „Juliet, Naked“. Duncan veröffentlicht die erste Rezension innerhalb der Crowologen-Online-Community. Annie schreibt eine Gegendarstellung. Damit endet ihre leidenschaftlose Beziehung. Die Schwierigkeiten beginnen.</p>
<p>Für die beiden wird es nie wieder so bequem wie vor ihrer Trennung. Während der Alt-Rockstar „himself“ mit Annie Kontakt aufnimmt, gerät Duncans Welt in dem Moment ins Wanken, als er sich gegen Angriffe auf seine Tucker-Welt wehren muss. Er muss sich die Frage gefallen lassen, was von ihm übrig bleibt, wenn das keinen Bestand mehr hat, in das er den größten Teil seiner Zeit investiert hat. Er fürchtet um seine Erhebung über den Mainstream. Diese Erhebung, die den Dunstkreis aus Verehrern um jede Art von Künstler magisch anzieht.</p>
<p>Annie trauert um die fünfzehn Jahre, die sie mit Duncan unwiederbringlich verlebt hat und zweifelt an dem Sinn, sich nie in Schwierigkeiten gebracht zu haben. Duncan bereut seinen Leichtsinn: „Er hatte sein ganzes Leben vorsichtig gelebt, und bei der einen Gelegenheit, wo er alle Vorsicht zu einem Ball geknüllt und in den Wind geschlagen hatte, war es so ausgegangen.“ Duncan meint den Abend, an dem er Annies Besprechung ins Netz gestellt hat.</p>
<p>Eine besondere Nebenrolle spielt Tuckers Sohn Jackson. Der Sechsjährige hat panische Angst davor, dass sein 55-jähriger Vater  bald sterben wird. Das ist Humor von der Art, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Jacksons Ausdrucksweise und Lebensschläue klingen allerdings nicht nach einem Jungen aus der Vorschule. Stellt sich die Frage, ob Hornby das so wollte oder nicht besser konnte. Wenn gewollt, dann wird klar, dass einem Kind mit einem Vater wie Tucker Crowe nichts anderes übrig als so schnell wie möglich erwachsen zu werden, um zu überleben.</p>
<p>Hornby schafft mit „Juliet, Naked“ eine Röntgenaufnahme der in die Jahre gekommenen Anderssein-Wollenden und erstellt Diagnosen wie „Sie war eine Krankheit, diese Einsamkeit – sie machte schwach, leichtgläubig und irre.“ Wie in seinem Roman „How to be good“ steht am Ende die Erkenntnis, dass es nicht viel braucht, um das Leben einigermaßen aushalten zu können. Hornbys neuer Roman ist von unprätentiöser Intelligenz.</p>
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		<title>alles latte</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 20:42:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Als ich letzten Freitag durch die Stadt ging, sah ich eine Espresso-Maschine im Schaufenster eines Schuhgeschäftes zwischen Herrenschuhen stehen. Wenn eine Firma, die Geschirrspüler-Tabs herstellt, für sich und eine bestimmte Spülmaschinen-Marke wirbt, dann hat das Logik, zumindest ist es praktisch gedacht. Das nennt man dann Verbundwerbung oder von mir aus auch Synergie.

Was haben aber bitteschön [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich letzten Freitag durch die Stadt ging, sah ich eine Espresso-Maschine im Schaufenster eines Schuhgeschäftes zwischen Herrenschuhen stehen. Wenn eine Firma, die Geschirrspüler-Tabs herstellt, für sich und eine bestimmte Spülmaschinen-Marke wirbt, dann hat das Logik, zumindest ist es praktisch gedacht. Das nennt man dann Verbundwerbung oder von mir aus auch Synergie.</p>
<p><span id="more-26"></span><br />
Was haben aber bitteschön Schuhe mit Espresso zu tun, außer dass man sich den koffeinhaltigen Ausdruck über das Leder kippen oder nach einem Doppio express-schnell über das Parkett steppen kann? Jetzt könnte man denken, dass hier die Prinzipien des Targetings Einzug gehalten haben in den Bonner Einzelhandel. Werbung mit minimalen Streuverlusten. Wer stehen bleibt, erhöht die Guck-mal-da-Rate. Zahlen muss nur, wer auch zur Kasse geht.</p>
<p>Vor der Handhebel-Maschine liegen die kaum lesbaren Visitenkarten des Espresso-Studios um die Ecke aus. Die clevere Conclusio ist eindeutig: Wer sich edle Ledertreter kauft, legt Wert auf Prestigeobjekte in der Küche. Kann sein. Warum  nicht gleich in Vorfreude auf Nikolaus iPhones in die Schuhe drapieren und das ganze mit Werbung für ElitePartner einrahmen?<br />
Gibt es eigentlich Individualismus oder existiert er nur Kraft unserer Vorstellung? Und ist das Bemühen um Stereotypen-Definitionen der Beweis für immer gleiche Muster oder sind sie eine Krücke, um sich der Wirklichkeit anzunähern und nicht durchzudrehen? Die Bonner jedenfalls haben mit dem Individualismus keine Probleme, solange es Mokassins von Timberland zu kaufen gibt.</p>
<p>Mir persönlich geht das zu weit mit den Kaffeebohnen in der Schuhauslage,  vielleicht auch weil in unmittelbarer Nähe drei Geschäfte Kaffeegenuss zum Indoor- und Outdoor-Verweilen anbieten. Mit Kaffee meine ich weniger die Reinform als vielmehr geschäumte Milch, befleckt mit Koffein. Wäre ich Gentrifizierungsgegner, würde ich die Fürstenstraße als den Milchkaffee-Strich von Bonn bezeichnen. Mache ich aber nicht, weil bin ich nicht und wäre als freiwilliger Bonner Bürger auch irgendwie absurd.</p>
<p>Jedenfalls wird Kaffee ausgedrückt und Milch geschäumt, wo man nur hinguckt. Kaffee trinken in Gemeinschaft, von mir aus auch in der Anonymität eines Coffee-Shops, ist ohne Zweifel ein schönes Ritual. Kaffee wird zum Bremsanker für die Momente im Leben, wo einem alles latte ist. Auch das ist legitim. Vielleicht wird irgendwann „auf einen Coffee to go“ die höchste Form von Verbindlichkeit und Planbarkeit. Aber Kaffee an sich, in seiner originären Ausprägung konsumiert, puscht. Weiß der gemeine Kaffeekonsument eigentlich noch, wofür ihn die schwarze Brühe wach machen soll? Und hat er überhaupt Lust auf den puren Koffein-Wecker? Oder lässt er sich unbewusst so viel Latte ins Glas schütten, damit die Wirkung durch den Sattmach-Effekt der Milch kompensiert wird. Das ist dann so, als würde ein Flugzeug auf die Startbahn rollen, ohne jemals abzuheben.</p>
<p>Hatte mir deshalb vorgenommen, nur noch Espresso zu trinken, weil das direkter ist, auch im Blut. Denn wenn keine Latte den Magen verschleimt, bleibt mehr Sauerstoff für den Kopf. So weit der Plan. Andererseits wäre das wie O ohne Wodka, Salat ohne Dressing, Früh-Kölsch 0,0 Prozent. Sollen doch von mir aus diejenigen Trennkost zelebrieren, die sonst keine Hobbys haben. Hin und wieder einen Espresso vor dem Abflug muss reichen. Denn zu viel Koffein-Kick überspannt den Geist, im schlimmsten Fall den einiger Marketingstrategen. Mögliche Folgen könnten sein, dass Fitness-Studios neben Kleidergröße 36 und Bestattungsinstitute in Sanitätshäusern werben. Wie beim Anblick so mancher Outdoor-Funktionsbekleidung, würde ich auch hier denken: „Ist praktisch, sieht aber scheiße aus.“ Dann doch besser keine Regenhose auf dem Fahrrad und dafür einen Boxenstopp für einen LaMa. Das ist zwar nicht praktisch, ist mir aber dafür egal.</p>
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		<title>altersweisheit für frühreife</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 15:14:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Kürzlich habe ich mich gefragt, wie viel Wahrheit die Welt verträgt. Dabei muss zunächst fein unterschieden werden zwischen der Fremdwahrheit und der Selbstwahrheit. Die Fremdwahrheit ist die angenehmere von beiden. Denn die kann ich jemandem an den Kopf werfen in selbstherrlichem Habitus à la … „Haha mein Freundchen, die Zeit ist reif, dass dir mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich habe ich mich gefragt, wie viel Wahrheit die Welt verträgt. Dabei muss zunächst fein unterschieden werden zwischen der Fremdwahrheit und der Selbstwahrheit. Die Fremdwahrheit ist die angenehmere von beiden. Denn die kann ich jemandem an den Kopf werfen in selbstherrlichem Habitus à la … „Haha mein Freundchen, die Zeit ist reif, dass dir mal ein Licht aufgeht und ich höchstpersönlich zünde es dir an.“</p>
<p><span id="more-25"></span>Das schönste an den Fremdwahrheiten ist die Vorfreude. Denn dabei bleibt es meistens. Im entscheidenden Moment schluckt man die ganze Wahrheit runter, weil man schon absehen kann, dass sie in letzter Konsequenz keiner verkraften würde. Und woran liegt das? Ich meine, das liegt an dem idealen Selbstbild, dem wir hinter her hecheln und das mit aller Kraft und Macht hoch gehalten wird. Wer aus Scheiße Gold machen kann, für den muss die Wahrheit eine Kanalratte sein.</p>
<p>So richtig Tacheles geredet wird nur noch in Großküchen und in überfüllten Regionalzügen 2. Klasse und dort auch nur mit Menschen, die man meint, nie mehr wieder zu treffen. Wie viele Wahrheiten werden in dieser Minute in Deutschland wohl runter geschluckt? Wie viel sind das in einer Woche, in einem Monat, einem Jahr? Und auf welche Summe beläuft sich der daraus resultierende volkswirtschaftliche und sonstige Schaden? Und vor allem: Vor wie viel Selbstwahrheit flüchten wir, indem wir konsumieren, kompensieren, zerreden, breit treten, weg beten?</p>
<p>Die Farbe der Wahrheit ist grau, schon klar. Auf jeden Fall ist sie nicht zu finden im praktischen Einkaufs-Center „in Ihrer Nähe“, in dem man angeblich alles findet, was „man braucht“. Was nicht heißen soll, dass Wahrheit nicht nahliegend sein darf. Jedenfalls gibt es keinen Grund den sich ohne Punkt und Komma froh redenden Weißwesten oder der eigenen Bequemlichkeit das Spielfeld zu überlassen. Wo Fremdwahrheit auf Selbstwahrheit trifft, besteht die Aussicht auf ein spannendes Match, sofern es fair zugeht. Die größten Verlierer sind die, die meinen, sich vorher ausrechnen zu können, wie das Spiel ausgehen wird. Denn dem Leben ist nicht mit dem Taschenrechner bei zu kommen. Und das ist gut so und echt wahr und schade für Graf Zahl.</p>
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		<title>subkultur-spießer</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 21:50:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Der Subkultur-Spießer sucht nach konformem Kontext, um fremde Einflüsse von seinem geistigen Horizont fernzuhalten. Dieser Kontext hat als einziges Qualitätsmerkmal das Anderssein. Der Subkultur-Spießer instrumentalisiert diese Nonkonformität, um sich von der ihn verstörenden Umwelt abzugrenzen und damit innere Sicherheit zu bewahren.
So. Das hört sich erstmal an, wie die Definition aus einem klinischen Wörterbuch, aber diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Subkultur-Spießer sucht nach konformem Kontext, um fremde Einflüsse von seinem geistigen Horizont fernzuhalten. Dieser Kontext hat als einziges Qualitätsmerkmal das Anderssein. Der Subkultur-Spießer instrumentalisiert diese Nonkonformität, um sich von der ihn verstörenden Umwelt abzugrenzen und damit innere Sicherheit zu bewahren.</em></p>
<p><span id="more-23"></span>So. Das hört sich erstmal an, wie die Definition aus einem klinischen Wörterbuch, aber diese aseptische Tonalität ist adäquat für die beschriebene Personengruppe. Hat doch der Subkultur-Spießer selbst keinen Spaß und wenn dann nur sehr selten oder nur dann, wenn kaum einer mitlachen kann. Denn Spaß ist gleich geteilte Freude und Teilen geht nur mit Anders-Anderen und davon gibt es auf diesem Planeten nicht so viele. Und da diese Erde voll ist mit Humor fürs Mengengeschäft ist der Subkultur-Spießer meistens traurig auf diesem Stern, der nicht seine Welt ist.</p>
<p>Ich gebe zu, dass Subkultur-Spießer auf mich eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Denn ich wittere frisches Denken in neuen Galaxien. Meistens stellt sich aber heraus, dass diese Galaxien begrenzt und ihre Guidelines streng sind. Der Grat des Geschmacks ist sehr schmal. Der Grat der Geschmacklosigkeit dafür umso breiter. Lässt man sich darauf ein, ist es ein anstrengender Balanceakt, bei dem viel verloren geht. Am Ende fragt man sich, ob es so was wie konforme Nonkonformität gibt.</p>
<p>Der Subkultur-Spießer ist äußerlich sehr leicht zu erkennen: ER hat eine Nicht-Frisur. Denn eine Frisur bedeutete, sich für eine Form zu entscheiden. SIE schleicht auf leisen Sohlen, neuerdings in Espadrilles und Leggings. Für meinen Geschmack bringt man in Espadrilles und Leggings so viel Sex-Appeal aufs Pflaster wie in Schlafanzughose und Pantoffeln. Diese Kombination trifft aber offensichtlich den Geschmack des Subkultur-Spießer-Männchens, der selbst keinen Hintern in der Hose hat, dafür aber eine Strickmütze auf der Nicht-Frisur und eine Hornbrille trägt, mit der er aussieht wie ein Erstklässler in den 50er-Jahren als es noch keine Brillen in Kindergrößen gab.</p>
<p>Aber egal. Ich mag die Subkultur-Spießer, auch wenn sie mir irgendwann etwas langweilig, weil berechenbar vorkommen. In jedem Fall sind sie mir immer noch lieber als die Leute, die den ganzen Tag mit einem Stock im Arsch rumlaufen und sich optimal an jede Umgebung und Situation anpassen als hätte man ihnen das Hirn geklaut. Während der Subkultur-Spießer wenig gebacken kriegt, weil er viel rebellieren muss, richtet er keinen Schaden an, weil er keine Ziele hat. Denn Anders-sein-Wollen ist der Bruder von Gar-nichts-Wollen.</p>
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		<title>free jaaaazz</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 22:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Wenn es stimmt, was Last.fm errechnet hat, dann können Menschen nach ihrem Musikgeschmack beurteilt werden. Bei dem Gedanken wird mir was mulmig, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich die Musik meines Lebens schon gefunden habe. Klar ist, dass ich im Zweifelsfall nur diese Right-Vibes als Beurteilungsgrundlage in Bezug auf meine Person zulassen würde.

Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es stimmt, was Last.fm errechnet hat, dann können Menschen nach ihrem Musikgeschmack beurteilt werden. Bei dem Gedanken wird mir was mulmig, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich die Musik meines Lebens schon gefunden habe. Klar ist, dass ich im Zweifelsfall nur diese Right-Vibes als Beurteilungsgrundlage in Bezug auf meine Person zulassen würde.</p>
<p><span id="more-22"></span><br />
Ich war vor drei Wochen auf einem Free-Jazz-Festival in Köln und kann das nicht einfach auf sich beruhen lassen. Meiner Meinung nach bin ich jetzt nicht gerade der &#8220;Musik-Checker&#8221;. Andererseits habe ich kürzlich auf XING gelesen, dass ein auffallendes Problem von Hochbegabung der Selbstzweifel ist. Lesen Sie vor diesem Hintergrund meine nachfolgenden Ausführungen und schlagen Sie mich für den Pulitzer-Preis vor. Ach nein, besser nicht. Ich weiß ja gar nicht, ob ich überhaupt so gut bin &#8230;</p>
<p>Der Abend begann und endete für mich mit einer „Kreativzelle aus Österreich“, unterbrochen von mehreren Aufenthalte an der frischen Luft. Denn ich gehöre vielleicht nicht zu den höflichsten, aber dafür zu den ehrlichen Menschen. Wenn Sie also mal ehrliche Menschen treffen wollen, gehen Sie auf eine richtig schlechte Veranstaltung. Sie finden uns im Foyer oder auf der Straße. Man erkennt sich.</p>
<p>Ich will den Spannungsbogen jetzt nicht überdehnen. Ich denke, es ist bereits klar. Das Duo aus Schlagzeug und Gitarre hat ausschließlich meinen Genervt-Nerv getroffen. Die Akteure sagen von sich selbst: „Das Duo ist die Aorta, von der die anderen Sachen ausgehen.“ Für mich ist ihre wenig bis gar nicht komponierte und unfähig improvisierte Beschallung der Anus, an dem es enden sollte.</p>
<p>Die meisten Leute sind an dem Abend auf ihren Stühlen hocken geblieben und haben das sowohl akustische als auch optische Leiden ausgehalten. Vereinzelt versuchten sogar Vertreter der Kopfnicker-Fraktion dem ganzen etwas abzugewinnen. Das sah aber irgendwie verklemmt und nicht wirklich inbrünstig aus. Dies hat mich zu der festen Überzeugung kommen lassen, dass nur solche Menschen diesen experimentellen Lärm als ihren Musikgeschmack deklarieren, die von ihrer Gefühlswelt nicht viel zu erwarten haben. Sie sind wie ihre Stars entwicklungsmäßig stecken geblieben und tragen deshalb Jeanshemden aus den Achtzigern. Ich glaube ja, dass diese Nerds ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben, finden ergo ihre Füße eklig, ernähren sich von Tütensuppen und halten kalte Bockwürstchen aus dem Glas für delikat.</p>
<p>Jetzt könnten sie sagen: „Mensch, muss die denn immer so auf den Putz hauen. Es gibt doch auch guten experimentellen Jazz und den hören sich auch Menschen mit einer  gesunden Sauerstoffversorgung und intakten Darmflora an.“ &#8220;OK gebont&#8221;, sage ich. Aber lassen Sie mich kurz auch mal was erklären: Ich habe mich kürzlich testen lassen. Eines der Ergebnisse war, dass ich zu einer generalistischen Denkweise neige, das heißt ich habe Führungskompetenz, weil ich Kompliziertes verdammt einfach machen kann. So. Und jetzt wissen Sie BEDENKENTRÄGER, was Sie – im Gegensatz zu mir – nicht haben. So einfach ist das.</p>
<p>Und doch zieht jetzt gleich der Hoffnungsschimmer des letzten Restes Anstandes auf dieser Welt an Ihrem Horizont auf: Denn ich habe recherchiert, bevor ich wütend meine Tastatur zückte. So stellte ich ein paar Tage nach dem Event unter anderem folgende Fragen per E-Mail an den Veranstalter zur Weiterleitung &#8230;</p>
<ol>
<li>Welche Struktur liegt dieser Musik zugrunde? Gab es ein Zusammenspiel?</li>
<li>Welchen musikalischen Background bringen die Herren jeweils mit? Was hat sie geprägt?</li>
<li>Wie spontan war die Darbietung?</li>
</ol>
<p>Die Antwort kam direkt vom Drummer: „Schade, dass unser Konzert nicht Ihrem Geschmack entsprochen hat. Über meine Konzepte und Überlegungen können Sie sich gerne auf meiner Homepage informieren.“</p>
<p>Die Website ist so kryptisch wie der Rest. Ich konnte allerdings heraus finden, dass die Brüder auch Jingles für Telefonanrufbeantworter komponiert haben und .. „Radiokompositionen“. Damit wird mir einiges klar. Denn die Geräuschkulisse erinnerte mich die ganze Zeit an die Sendersuche beim Radio. Meine Frequenz hat das Duo Schall &amp; Rausch nicht gefunden. Sollte ich nochmal Bedarf haben, zahle ich keine 17 Euro Eintritt mehr. Einfach Radioknopf auf halbe acht drehen und fertig.</p>
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		<title>1/0</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 15:57:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Fetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nummern
kumulieren
zu Nullen

Primzahlen
dividieren
ganz und eins
An oder aus
jetzt oder nie
kommen gleich gehen
Unzählbar,
was zählt
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nummern<br />
kumulieren<br />
zu Nullen</p>
<p><span id="more-21"></span><br />
Primzahlen<br />
dividieren<br />
ganz und eins</p>
<p>An oder aus<br />
jetzt oder nie<br />
kommen gleich gehen</p>
<p>Unzählbar,<br />
was zählt</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>kreisverkehrer</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2009 20:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Fetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Hecheln kurzatmig
vor und zurück
kein Stück weiter

Puste aus
Abgasen
von heißer Luft
Hyperventilieren
um sich selbst
für nichts
Abfahrten
träge
ignorierend
In der selbst
gewählten
Endlosschleife
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hecheln kurzatmig<br />
vor und zurück<br />
kein Stück weiter</p>
<p><span id="more-20"></span><br />
Puste aus<br />
Abgasen<br />
von heißer Luft</p>
<p>Hyperventilieren<br />
um sich selbst<br />
für nichts</p>
<p>Abfahrten<br />
träge<br />
ignorierend</p>
<p>In der selbst<br />
gewählten<br />
Endlosschleife</p>
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		<title>helfersyndrome</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 20:35:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es gibt Bücher, in denen steht, dass du dein Glück gefunden hast, wenn du mit Nicht-Anstrengung dein Geld verdienst. Ich glaube nicht daran. Ich glaube daran, dass der ganze Unsinn geschrieben wird, weil der Mensch in seinem naturbelassenen Zustand genau das hören will und deshalb kaufen heutzutage viele Menschen diese Bücher so gerne. Am Ende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Bücher, in denen steht, dass du dein Glück gefunden hast, wenn du mit Nicht-Anstrengung dein Geld verdienst. Ich glaube nicht daran. Ich glaube daran, dass der ganze Unsinn geschrieben wird, weil der Mensch in seinem naturbelassenen Zustand genau das hören will und deshalb kaufen heutzutage viele Menschen diese Bücher so gerne. Am Ende verdienen ein paar Coach-Nasen ihren Lebensunterhaltung mit Nicht-Anstrengung und können damit weiter diesen Unsinn verbreiten &#8230;</p>
<p><span id="more-19"></span><br />
Es hat sich eine „Helfer-Industrie etabliert, die in Buchhandlungen, Seminar-Zentren und bei Fernsehsendern sich selbst verwirklicht, weil eine große Quote das Denken, Machen, Erfahren, Scheitern und Weitersagen aufgegeben hat. Und dabei helfen die Helfer nur sich selbst. Denn in der Zeit, in der sie uns helfen wollen, haben wir genau die Zeit verloren, das zu tun, was uns wirklich weiter hilft.</p>
<p>Es kommt mir so vor, als würde die ganze Nation in einem großen Ego-Labor sitzen, macht Trockenübungen statt ins kalte Wasser zu springen, mistet am Ende einmal die Wohnung aus, um Platz zu machen für das neue Leben, das nicht kommt, weil es nicht willkommen ist. Und wenn dann mal einer sagt, er hätte sich für das eine entschieden, dann werden ihm stapelweise die Nachteile aufgetischt von genau den Leuten, die sich noch für gar nichts entschieden haben.</p>
<p>Es ist der Pfad der Orientierungslosen, die sich am liebsten und den ganzen Tag darüber unterhalten, wie orientierungslos sie sich fühlen. Und über diese Orientierungslosigkeit werden wieder Bücher geschrieben und wird wieder Geld verdient, weil die Klientel ausgerechnet für diesen Lesestoff eine Kaufentscheidung trifft. Und manchmal steht dann in den Büchern, dass die achtziger Jahre die beste Zeit war, weil die Protagonisten da noch zur Schule gingen und mit Mamas Golf fahren durften. Das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo ich kotzen muss.</p>
<p>Und wenn es nicht das Glück ist, das lockt, dann ist es das Erfolgsversprechen, das die Kassen klingeln lässt. Aber Erfolg für was und was für ein Erfolg? Mit der Erfolgsformel „Erfolg hat, wer keinen Ärger macht“ wird nicht die kleinste Krise gemeistert, weil ohne Reibung keine heißen Köpfe und ohne heiße Köpfe keine neuen Ideen und ohne neue Ideen keine neuen Chancen.</p>
<p>Wer Erfolg haben will, muss undifferenziert, ungerecht und charakterlos sein. Da das hier keine Erfolgsstory ist, werde ich jetzt mal ein paar Dinge in Relation setzen: Das mit dem Nicht-Anstrengen stimmt teilweise. Wer sein Ding gefunden hat, wird aller Wahrscheinlichkeit nach einen guten Job machen und Spaß daran haben. Wer nur rummoppert, kommt nicht weiter und wer sich noch für nichts entschieden hat, dem steht wenigstens noch alles offen. Das einzige, von dem ich keinen Millimeter abweiche ist: Wer sich nicht auf den Weg macht, bleibt stehen.</p>
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		<title>hörgebiete</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 21:53:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Erster Weihnachtstag gegen 19:15 Uhr, ich schalte das Küchenradio an:
Das ist der Mann mit dem großen Penis. Der Penis wuchs und wuchs und wurde so groß, dass er zu seiner Frau auf der anderen Insel durchaus weiterhin Kontakt haben konnte, sexuellen Verkehr haben konnte, bis die Frau schließlich daran verstarb …

… PARDON, wie meinen?? Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erster Weihnachtstag gegen 19:15 Uhr, ich schalte das Küchenradio an:</p>
<p><em>Das ist der Mann mit dem großen Penis. Der Penis wuchs und wuchs und wurde so groß, dass er zu seiner Frau auf der anderen Insel durchaus weiterhin Kontakt haben konnte, sexuellen Verkehr haben konnte, bis die Frau schließlich daran verstarb …</em></p>
<p><em></em><span id="more-18"></span></p>
<p>… PARDON, wie meinen?? Ich habe sofort nachgeschaut auf <a title="Externer Link öffnet in neuem Fenster" href="http://www.dradio.de" target="_blank">www.dradio.de</a>. Es handelt sich um ein Feature über den Maler Max Pechstein und seinen Ausflug auf die Südseeinsel Palau im Jahre 1914. Ich tippe mal, dass es sich bei obiger Beschreibung um die erotischen Schnitzereien auf den Palauer Dach- und Querbalken handelt. Diese sollen zu sehen sein im Dresdner Völkerkundemuseum. Wenn ich mal da bin, schaue ich nach.</p>
<p>Ja, ich höre Deutschlandfunk in der Küche. Es ist der Versuch, dass hin und wieder was Geistreiches mein Interesse weckt, auf dem ich dann weiter kognitiv rum kauen kann. Doch das meiste erreicht noch nicht mal das Ende meines Gehörgangs. Doch zu diesem Teaser gratuliere ich dem Deutschlandfunk recht herzlich. Dass die beschriebene „primitive Ornamentik“ die Malerseele aufgewühlt hat, kann ich mir vorstellen, wenn ich schon vom Zuhören rote Ohren kriege.</p>
<p>Alexander von Schönburg schreibt in seinem Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ (Dass ich ein Mängelexemplar des Taschenbuchs gekauft habe, hat was, finde ich.): <em>Eine Stunde abendlicher Deutschlandfunk verhält sich gegenüber TV-Zappen wie frisches Gemüse vom Bioladen gegenüber Fertigfraß aus dem Supermarkt </em>[...] <em>Wir werden von morgens bis abends mit Informationen und Unterhaltung zugemüllt und wissen doch weniger denn je</em>.<br />
Diese Aussagen sind polarisierend. Schon klar. Aber damit sich der Graf wieder ein paar Zeitungsabos leisten konnte, musste er einen Bestseller schreiben und da kann man dann eben nicht differenziert, gerecht und damit langweilig bleiben.</p>
<p>Und würde ich nicht hin und wieder zappen, wüsste ich heute nicht, dass Hamster im Winter impotent sind. So. Da haben Sie Ihr Bio! Sie fragen sich jetzt vielleicht, welchen Nutzen diese Information für Sie hat und ich frage mich, warum ich mir ausgerechnet so was immer so gut merken kann. Und außerdem stelle ich mir vor, was gewesen wäre, wenn ich im Alter von drei bis dreizehn Jahren gewusst hätte, dass meine Hamster im Winter leichtere Hoden haben als im Sommer. Und was anders gelaufen wäre, wenn ich gewusst hätte, dass Ernie und Bert homosexuell sind und ich im Fernsehen darauf geachtet hätte, ob man bei Heidi das Unterhöschen beim Schaukeln sieht.</p>
<p>Ich denke, es wäre nichts passiert. Und es wäre auch bestimmt nicht das „Ende der Kindheit“ gewesen, wie es der Medienwissenschaftler Neil Postman prophezeite. Es wäre aber eine Bereicherung gewesen, um deren Verzicht aufgrund von Unwissenheit ich heute schon etwas traurig bin. Denn im Alter des ersten Erahnens hätte solch eine Info einen hohen Unterhaltungswert gehabt. Heute braucht es Penisverlängerungen bis Timbuktu, damit überhaupt ein Schwanz noch zuhört.</p>
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